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Ingrid Baars

L'Afrique c'est chique


Die Entdeckung der Kunst Afrikas liegt noch nicht so weit zurück. Und schon sind viele der hölzernen Originale bereits zerfallen. Ingrid Baars schafft ihnen durch ihre skulpturalen Fotocollagen ein vielleicht beständigeres Denkmal ...

Erst seit Ende des 20. Jahrhunderts wird die damals als "Negerplastik" umschriebene afrikanische Kunst in Europa ernst genommen. Das Dogma des Kolonialismus liess es bis dahin nicht zu, "untergeordneten" Kulturen einen Raum in der eigenen einzuräumen und so eine Durchmischung zu riskieren, zumal die expressionistischen Ausprägungen erschreckend kraftvoll und die Intentionen der Künstler fremdartig erschienen.

Was nicht weiter verwundert, weil die originalen Plastiken noch heute weniger aus ästhetischen Ambitionen heraus entstehen, sondern eher aus dem Antrieb heraus, spirituelle Mächte zu beeinflussen. Nichtsdestotrotz kann man sich der Faszination dieser Skulpturen nur schwer entziehen. Bildhauer der klassischen Moderne liessen sich nachweislich inspirieren: Als Pablo Picasso nach Einschätzung der Kunstwissenschaft mit seinem Gemälde "Les Demoiselles d'Avignon" den Kubismus einläutete, betitelte man diese neue Epoche seines Schaffens als "période nègre".


Besonders bei Betrachtung kubistischer Skulpturen ist der afrikanische Einfluss eindeutig. Doch noch immer hat die klassische afrikanische Kunst nicht wirklich den Weg in die Herzen der ehemaligen Kolonialherren gefunden. Zu weit weg: geografisch, traditionell, kulturell, medial, physisch ... Was wir wissen, ist, dass sich die Kunststücke oder Nachbildungen davon im Rahmen der Multikulti-Weltanschauung zu Dekorationszwecken in europäischen Inneneinrichtungen etabliert haben ... und uns bei genauer Betrachtung ein Schauer über den Rücken laufen kann.

Und darüber hinaus? - Die gebürtige Niederländerin Ingrid Baars ist diesen Kunstobjekten aus dem entfernten Afrika bei einem befreundeten Experten zwar oft begegnet, aber: "Es löste zunächst nicht viel in mir aus." Ihre Begeisterung für Form und Textur der skulpturalen Werke traf sie aus heiterem Himmel: "Ich buchte sofort drei umwerfende afrikanische Models, vereinbarte einen Termin mit dem talentierten Fashion Designer Romain Brau und begann meine Arbeit ...", so Baars, deren Schaffen von Bauchgefühl und Spontaneität geprägt ist.

"L'Afrique C'est Chique" nennt sie ihr neues fotografisches Projekt: "Ich liebe den frivolen Charakter dieses Titels: Die anspruchsvolle afrikanische Kunst kombiniert mit der sexy Pariser Mode." Und da weiss sie schon: Es wird eine grosse, vielleicht grossartige Serie ... Fotocollagen sind nichts Neues für Ingrid Baars, sie sind ihr Markenzeichen: Für ihre digitale Virtuosität wird sie von der Werbebranche gebucht und trifft bei international renommierten Wettbewerben immer wieder auf Anerkennung. Dass sie wie in ihrer Serie "L'Afrique c'est Chique" starre Materie mit menschlichen Körpern vereint, ist allerdings ein Novum:

"Es stellt eine Herausforderung für mich dar, ein antikes hölzernes Objekt mit einem menschlichen Wesen aus Fleisch und Blut zu vereinen. Zunächst sammle ich die interessantesten Teile meiner Bilder. Dann beginne ich zu kombinieren. Ich suche nach richtigen Passformen, und ich weiss nie, wann eine Entwicklung endet. Ich beginne mit einem weissen, reinen Untergrund und einem offenen Geist. Ich möchte nicht auf der sicheren Seite sein, nicht auf meiner vorhergehenden Arbeit aufbauen ... Ich möchte ein Original erschaffen und mich aus meinem Herzen heraus ausdrücken."

www.ingridbaars.com


Fotos: Ingrid Baars
Autor: A. Spaeth

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