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PHOTOGRAPHIE-Nachwuchswettbewerb PhotoVision 2013
1. PREIS Nicolai Rapp
BILDER & GESCHICHTEN
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PHOTOGRAPHIE-Nachwuchswettbewerb PhotoVision 2013

Grenzen


Für unseren Förderpreis PhotoVision dokumentiert der Nachwuchs Barrieren als menschliche Konstrukte, macht sich auf die Suche nach den Randgebieten der Welt und lotet die Grenzen eines Mediums aus, das bisweilen dann zum Einsatz kommt, wenn es uns die Sprache verschlägt.

Der Fotonachwuchs antwortet nicht gern; der Fotonachwuchs wirft lieber Fragen in den Raum. "Können Menschen Grenzen sein?", fragt er und zeigt uns eine ausdrucksstarke Porträtserie über Türsteher und Selekteure aus dem Berliner Nachtleben (Philipp Plum/FH Bielefeld). "Gibt es Grenzen des guten Geschmacks?", fragt er und widmet sich der typologischen Gegenüberstellung von Sitzpolstergestaltung in öffentlichen Verkehrsmitteln. "Was geschieht mit öffentlichem Raum, wenn er durch errichtete Zäune zu privat empfundenem Raum wird?", fragt er begleitend zu einem fotografischen Essay über städtische Kleinbauern in illegalen Gärten Lissabons (Lioba Keuck/FH Dortmund). Fragen zu stellen, das hat Tradition in der Fotografie wie auch im Nachwuchsförderpreis PhotoVision - und die Tradition, die wird in dieser Runde weitergeführt. Gibt es neben der Tradition aber auch einen Trend, der sich in den Arbeiten zum aktuellen Thema "Grenzen" abzeichnet? Die Antwort ist eindeutig: Ja, es gibt einen Trend, und der trägt den Namen Tellerrand. Haben die Teilnehmenden ihre Themen in den vergangenen Jahren vermehrt vor der Haustür gesucht, in der eigenen Stadt, im Freundeskreis oder in ihrer Freizeit, so richtet der Nachwuchs seinen Blick in diesem Jahr verstärkt auf die Ränder des eigenen Lebensumfeldes - und darüber hinaus. In einer Welt, die für Reisende nahezu grenzenlos geworden ist, ziehen die Jungfotografen heute in Gegenden, die wir nicht einmal über Google Earth besucht haben, an Orte, die nur schwer zu buchstabieren sind. Sie bringen Bilder mit, die zeigen, wie der Mensch Raum erobert, wie er Grenzen schafft und sich abschottet, wie er Barrieren ignoriert und überschreitet.

Unbekanntes zu entdecken, das zeichnet vor allem die Studierenden an der Ostkreuzschule aus. Von den Berlinern erreichten uns ebenso viele Einsendungen wie von der Lazi Akademie Esslingen. Die renommierte Fachhochschule Bielefeld liegt - nicht nur quantitativ - erneut an der Spitze: Der diplomierte Nicolai Rapp (Platz 1) überzeugte die Jury mit einer fast schon abstraktstrukturellen Serie, die zwischen Architektur und Dokumentation angesiedelt ist und aufzeigt, wie wir uns die Welt als Wohnraum aneignen. Maciej Staszkiewicz (Platz 2) begab sich auf der Fernhandelsstraße Via Regia auf eine fotografische Spurensuche nach der Überwindung von Grenzen und erzählt in seiner Bildreihe von Dorfpriestern in einem polnischen Dorf in der Ukraine, von Aussteigern in den Bergen Nordspaniens, von Kleinkriminellen in Krakau. Der in der Fotobranche schon bekannte Julian Röder (Platz 3) beeindruckt mit einer brillant fotografierten Serie über die Technologie automatisierter Vorgänge an Grenzübergängen und stellt dabei die Frage nach der menschlichen Verantwortungsentfremdung. Die Architektur der Armut hat sich Stefan Hähnel (Platz 4) zum Thema gemacht und alternative Wohnräume am Rande der Gesellschaft erkundet. Und auch Birte Kaufmann (Platz 5) erschließt sich das Thema mit einer Reportage. Sie begleitete eine Großfamilie irischer Traveller und wurde mit der Kamera Teil ihres Alltags.

Welche Kraft der Fotografie als visuelles Medium zukommt, das zeigen nicht nur die Gewinnerarbeiten, sondern auch viele der hier nicht veröffentlichten Serien, denen wir wünschen, dass sie von all jenen Galeristen, Redaktionen und Kunstliebhabern gesehen werden, die gern über den Tellerrand blicken. "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt", lautet einer der berühmten Sätze Wittgensteins. Der Fotonachwuchs aber zeigt: Da, wo die Sprache an ihre Grenzen stößt, da gibt es immer noch die Fotografie.

1. PREIS 5.000 Euro Startkapital für die große Karriere - Nicolai Rapp ( Jahrgang 1983), FH Bielefeld

"accumulation"
Wellblechhütte an Wellblechhütte. Wie winzige Modellwelten lassen sich die südafrikanischen Townships von oben erschließen. Orientierungslosigkeit breitet sich aus und lässt im Betrachter ein Gefühl des Verlorenseins entstehen. Die Arbeit thematisiert die Struktur selbst gebauten Wohnraums ebenso wie Tod und Hoffnung. Im südlichen Afrika sind die Townships das Resultat der abgrenzenden Apartheid. Nur schleichend verändert sich das Bild dieser Siedlungen.

Das Urteil der Jury
Man würde das einzelne Bild gern so groß wie einen ausgestellten Gursky betrachten. Also setzen wir den mikroskopischen Blick auf und zoomen in die Landschaftsbilder hinein. Erst aus der Abstraktion heraus erschließt sich uns die Krisensituation. Es geht um Eingrenzung und Abgrenzung, um Ordnung und Unordnung, um Akkumulation und Erneuerung. Vor allem aber geht es darum, wie wir uns Welt als Wohnraum aneignen.

2. PREIS Adobe Abonnement der Creative Cloud, Wert: 1.500 Euro - Maciej Staszkiewicz (Jahrgang 1983), Hochschule Mannheim
"Via Regia"
Die 4.500 km lange und an die 2.000 Jahre alte Fernhandelsstraße Via Regia erstreckt sich von Kiew im Osten bis in das spanische Santiago de Compostela. Kaufleute nutzten sie, Könige und Kaiser bereisten sie, Feldherren führten Armeen durchs Land, berühmte Künstler, Vagabunden und Bettler ließen sich auf ihr an andere Orte führen und schufen ein Geflecht aus Räumen der Erinnerung. Die geschichtsträchtige "Königsstraße" - heute größtenteils als Autobahn ausgebaut - ist bis heute ein Raum für die Vielfalt europäischer Kulturen, des freien Geistes und der Künste geblieben. Die fotografische Reise von Maciej Staszkiewicz führt durch die Ukraine, Polen, Deutschland und Spanien und markiert Punkte der Begegnung mit einfachen Menschen und Orten. Er beleuchtet wandelbare Gegenden unserer gemeinsamen europäischen Herkunft, wobei er seinen Blick insbesondere den Lebensgeschichten des einzelnen Menschen widmet.

Das Urteil der Jury
Eine alte ukrainische Witwe vor einer Palmentapete. Ein umgekippter deutscher Baum, der seine Zapfen auf die Straße wirft. Ein blondes Mädchen mit ernstem Blick in einem nordspanischen Ökodorf. Die Via Regia erstreckt sich über mehrere Grenzen - und doch verbindet sie Lebensentwürfe. Maciej Staszkiewicz hat eine Serie fotografiert, wie sie in einem hochwertigen Gesellschaftsmagazin veröffentlicht sein könnte. Jedes Bild steht für sich, erzählt eine eigene Geschichte - zusammen aber fügen sie sich zu einer Serie, die berührt, Fragen aufwirft und unsere Lust schürt, die Koffer zu packen, Grenzen zu passieren und zu erfahren, was da in unseren Nachbarländern passiert.

3. PREIS Olympus PEN E-P5 mit Setzoom, Wert: 1.300 Euro - Julian Röder (Jahrgang 1981), HAW Hamburg
"Mission and Task"
In der Arbeit von Julian Röder geht es um Verantwortungsentfremdung - eine Distanzierung von den Auswirkungen des eigenen Handelns. Er beschreibt dieses Phänomen anhand der europäischen Außengrenze, denn hier wird es in zwei Dimensionen deutlich: in der Abschottung der Grenzen der Europäischen Union auch durch Missionen außerhalb des EU-Territoriums sowie in der tatsächlichen Tätigkeit der Menschen, die an den Grenzschutzmaßnahmen beteiligt sind. "Um die Überwachung und Sicherung der Grenzen effektiver zu gestalten, kommt immer weiterentwickeltere Technik zum Einsatz", so Röder. "In der spanischen Enklave Melilla etwa schützt ein hochtechnologisierter mehrteiliger Zaun die Grenze. Ein System aus sich festziehenden Stahlseilen fesselt dabei selbsttätig Menschen, die versuchen, diesen zu überwinden. Die Überwachung erfolgt per Video. Wird Alarm ausgelöst, rücken die Beamten an und sammeln die Schwerverletzten ein, um sie in Krankenhäuser zu bringen."

Das Urteil der Jury
In einer Zeit, in der der Abstand zwischen migrationswilligen Menschen und grenzsichernden Beamten zunehmend wächst, hat sich Julian Röder auf ein politisches Terrain begeben und dokumentiert mit seiner brillant fotografierten Serie, wie Entscheidungen in Sachen Grenzschutz mehr und mehr durch Technik automatisiert werden. Er begleitet die griechische Grenzschutzpolizei bei der Überwachung der europäischen Außengrenze zur Türkei, porträtiert einen Operator in einem Überwachungszeppelin im Rahmen einer Forschungsphase und zeigt uns die unheimliche Ästhetik eines Spezialradars zur Erkennung von kleinen Holzbooten. Röder führt uns so nah an das Geschehen, dass wir es mit der Angst kriegen.

4. PREIS Reflektoren und Sunsniper-Gurt von California Sunbounce, Wert: 1.100 Euro - Stefan Hähnel (Jahrgang 1984), Ostkreuzschule
"Home"
Zuhause: vier eigene Wände, ein sicherer Rückzugsort, der Ruhe, Schutz, Wärme bietet. Doch was, wenn man dieses Zuhause nicht hat? Weil man es sich nicht leisten kann, weil man maximale Unabhängigkeit sucht, weil man Reisender ohne festen Wohnsitz ist? Jeder muss seine Nische finden, einen eigenen kleinen Platz im Leben oder eine letzte Ecke am Rande der Gesellschaft. "Meine Arbeit handelt von Aussteigern und Auf-der-Strecke- Gebliebenen. Dabei sei dahingestellt, ob sie sich freiwillig oder gezwungenermaßen für diesen Weg der Abgrenzung von ihrer sozialen Umwelt entschieden haben. Auf meinen Streifzügen durch städtische Orte und Nicht-Orte bin ich auf Wohnräume gestoßen, die mich berührten und zugleich inspirierten."

Das Urteil der Jury
Die Serie von Stefan Hähnel kommt lautlos daher. In Zeiten permanenter Beschleunigung greift er auf das analoge Mittelformat zurück und porträtiert "Behausungen" von Menschen, die überall und nirgends zu Hause sind und ein Leben fernab des Durchschnittsbürgers führen. Was verraten diese Plätze über ihre temporären Bewohner? Sind es Grenzgänger, die den Imperativen der Sesshaftigkeit bewusst aus dem Weg gehen wollen? Oder handelt es sich um unfreiwillig Ausgegrenzte, denen nichts außer dem Wenigen geblieben ist, das sie im Abfall der Wegwerfgesellschaft zu finden vermögen? Stefan Hähnel stellt diese Fragen auf leise, nahezu unspektakuläre Weise. Doch gerade die Lautlosigkeit der menschenleeren Aufnahmen ist es, die seine Arbeit so ausdrucksstark macht.

5. PREIS Grafiktablett Wacom Cintiq 13HD, Wert: 900 Euro - Birte Kaufmann (Jahrgang 1981), Ostkreuzschule
"The Travellers"
Für ihre Arbeit reiste Birte Kaufmann im Sommer 2011 mit einem VWBus nach Irland, um eine Traveller-Familie in ihrem Alltag zu porträtieren - ein Alltag, in dem noch Hasen gejagt werden, Pferde eine zentrale Rolle spielen und der geprägt ist von Härte und Langeweile von frühester Kindheit an. "Meine Arbeit gibt einen Einblick in die Lebensweise der größten Minderheitengruppierung Irlands", beschreibt die Fotografin ihr Konzept. "Sie hat einen nomadischen Ursprung und kommt aus der Tradition der Wanderarbeiter. Heute sind sie auf der Suche nach einer neuen Identität in der westeuropäischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Durch ihre Traditionen und ihre anderen Lebensgewohnheiten finden sie wenig Akzeptanz in der übrigen irischen Gesellschaft und führen ein Leben in einer Art Parallelwelt, in der strenge, traditionelle Rollenmuster noch gelebt werden und zu der Außenstehende wenig Zugang finden."

Das Urteil der Jury
Sie mutet zunächst wie eine romantische Arbeit an, doch bevor sich das trügerische Idyll in den Augapfel des Betrachters brennen kann, bricht die Fotografin mit der Romantik und vermählt auf ihren Bildern die weite Welt der Freiheit mit der Enge des Wohnwagens. Die Farbgebung fügt sich geschickt in die Stimmung, und je länger sich unser Blick mit den Gesichtsausdrücken der Menschen beschäftigt, desto stärker fühlen wir uns hinein in die bedrückende Langeweile, die aufkommt, wenn das aufregende Nomadenleben einmal mehr von Eintönigkeit erfasst wird.

DIE JURY

Die Jury tagte auch diesmal wieder im Haus der Photographie/Deichtorhallen in Hamburg - von links nach rechts: Sabine Mende (Wacom), Jana Kühle (PHOTOGRAPHIE), Anna Wander (seen.by), Ingo Taubhorn (Haus der Photographie/Deichtorhallen), Frank Späth (PHOTOGRAPHIE), Foto: tfh

DER WETTBEWERB
Seit nunmehr 15 Jahren versteht sich der PHOTOGRAPHIE-Förderpreis PhotoVision als Sprungbrett für die Fotokarriere. Auch in diesem Jahr werden wir wieder einen neuen Wettbewerb ausschreiben. Junge Studenten und ausgebildete Fotografen bis 32 Jahre können sich vorab für den Newsletter registrieren: j.kuehle@photographie.de


Autor: Jana Kühle

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