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Making of Vulkanfotografie
Farborgie zur blauen Stunde: von Magma illuminierte Gasfahnen auf dem Tolbatschik, Ostrussland. Adrian Rohnfelder

Der Fotograf

Adrian Rohnfelder, Jahrgang 1968, fand 2005 während einer Reise durch Lateinamerika zur Fotografie - anfänglich als Makrofotograf. Seit 2008 konzentriert sich der Diplom-Betriebswirt und Projektmanager auf die Reise- und Naturfotografie. Seine Vulkan-Aufnahmen sind in Medien wie Daily mail, The Daily Telegraph, Frankfurter Rundschau, Geo, National Geographic online und View online sowie in diversen Outdoor- und Reisemagazinen erschienen und bei Wettbewerben mehrfach ausgezeichnet worden.

www.adri.de


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Tödliche Aschewolken, Lavabomben, Gewaltmärsche: Der Naturfotograf Adrian Rohnfelder scheut weder Gefahren noch Strapazen auf seinen Expeditionen zu den weltweiten Hotspots des Vulkanismus. Sein Lohn: existenzielle Erfahrungen - und spektakuläre Bilder von den flüssigen Mächten, die unter uns schlummern.

An einem eisigen Sommertag 2013 steht Adrian Rohnfelder zusammen mit dem Vulkanologen Christoph Weber auf einer kleinen Erhebung wenige Meter neben dem Kraterrand des Tolbatschik, eines 3.682 Meter hohen Vulkans im fernen Osten Russlands, als plötzlich etwas durch die Luft fliegt. Sekundenbruchteile später schlägt eine Lavabombe keine fünf Meter neben den beiden Männern ein. Rohnfelder schaut halb erschrocken, halb erstaunt zu Weber, dann klart sich seine Miene auf. Er läuft zur Einschlagstelle, beugt sich vor, nimmt seine Canon EOS 5D Mark II mit dem 24-105-mm-Objektiv vors Auge, zoomt auf den innerlich noch glühenden Gesteinsbrocken, den die Erde gerade ausgespuckt hat, und drückt ab. "Die Bombe war nicht ohne", sagt Rohnfelder, "aber vermutlich hätten wir sogar überlebt, wenn uns das Ding direkt getroffen hätte, weil wir - wie immer bei solchen Touren - einen Helm und einen Rucksack anhatten." Das Schlacke-Geschoss war nur einer der gefährlichen Momente, den die beiden Vulkan-Fans während ihrer dreiwöchigen Exkursion zu den aktivsten Vulkanen von Kamtschatka bewältigen mussten.

Typische Eruption auf Stromboli (Sizilien). Die Lavafetzen können bis zu 100 Meter in die Luft geschleudert werden. Adrian Rohnfelder

Die russische Halbinsel, die wie ein geschwollener Finger von Ostsibirien nach Süden in Richtung Japan zeigt, ist kaum größer als Deutschland und zählt nur 380.000 Einwohner - dafür aber rund 15.000 Braunbären. Gegen die bis zu 700 kg schweren und drei Meter großen Raubtiere hatten sich die beiden Vulkanisten halbwegs gewappnet - mit einer "Bären-Glocke", die nahende Exemplare aufschrecken und verjagen sollte. Bedrohlicher waren da schon die Attacken aus dem Erdmantel. Besonders heimtückisch, da unkalkulierbar, aller seismologischen Überwachung zum Trotz: die pyroklastischen Ströme. Die bis zu 600 Grad heißen Gas-Asche-Gemische, die infolge explosionsartiger Eruptionen auftreten können, donnern mit bis zu 700 Stundenkilometern den Berg hinab und pulverisieren alles, was ihnen in die Quere kommt.

Rohnfelders bislang erfolgreichster Shot: der rauchende Bromo- und der gleichzeitig ausbrechende Semeru-Vulkan im Tengger-Massiv auf der indonesischen Insel Java. Adrian Rohnfelder
Eine Apokalypse, die seinerzeit auch den Bewohnern von Pompeji widerfuhr. Wolken aus Gas und Gesteinsstaub ragen dann kilometerhoch in den Himmel. Als Fotomotiv sind diese gewaltigen Naturschauspiele hochwillkommen. Aber sie sind auch besonders gefährlich, weil niemand vorhersagen kann, wann sich so ein Bergrutsch ereignet und welche Richtung er nimmt. "Als uns am Shiveluch-Vulkan ein Strom überraschte, hatten wir das Glück, dass er auf der gegenüberliegenden Bergflanke losbrach", erinnert sich Rohnfelder, der nie ohne erfahrenen Vulkanologen oder Schutzkleidung auf Tour geht. "Ich bin weder risikosüchtig noch lebensmüde, aber ein gewisses Restrisiko bleibt."

Weitere Bilder und ein spannendes Interview mit Adrian Rohnfelder finden Sie in der PHOTOGRAPHIE-ePaper-Ausgabe 06/2014.


Fotos: Adrian Rohnfelder
Autor: Peter Schuffelen

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