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PHOTOGRAPHIE-Nachwuchswettbewerb PhotoVision 2015
1. PREIS Julia Steinigeweg (Jahrgang 1987), HAW Hamburg
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PHOTOGRAPHIE-Nachwuchswettbewerb PhotoVision 2015

Zukunft


Für den PHOTOGRAPHIE-Förderpreis PhotoVision machen sich junge Fotografen auf die Suche nach visionären Ansätzen zum Thema "Zukunft" und setzen neue Impulse für die Kreativszene.

"Wie können wir das Überleben des Menschen auf unserem Planeten ermöglichen?", "Was passiert, wenn uns die Erde den Wasserhahn zudreht?", "Was heißt es künftig eigentlich, Mensch zu sein?" Mit Fragen wie diesen hat sich der fotografische Nachwuchs einem Thema genähert, das ein hohes Umsetzungspotenzial barg: Zukunft. In Runde 17 unseres Förderpreises haben die Jungfotografen vor allem kritisch hinterfragende Blicke in ihre Mit- und Umwelt geworfen. Nicht wenige der eingereichten Arbeiten rücken gesellschaftliche Missstände in den Fokus, setzen sich kritisch mit technologischen und medialen Entwicklungen auseinander oder entwerfen postapokalyptische Szenarien. So zeichnet die Preisträgerin Ella Privorozki (Platz 5) ein dystopisches Bild von einer Gesellschaft, die nach dem menschlichen Raubbau an der Natur am Ende überlebenswichtiger Ressourcen angekommen ist.

Neben fiktiven Zukunftsvorstellungen gab es auch Raum für dokumentarische Ansätze. Wie schon im vergangenen Jahr zum Thema "Räume" schauten viele Teilnehmende über die Landesgrenzen hinweg. Patrick Sinkel dokumentiert in starken Schwarzweiß-Aufnahmen den Lebenstraum junger Nachwuchsboxer aus Ghana (Platz 2). Julia Runge von der Ostkreuzschule in Berlin hat die Gemeinde der Baster in Namibia besucht und eine politisch motivierte Serie mit klarer konzeptueller Umsetzung eingereicht (Platz 4). Andere richteten ihren Blick nach Aserbaidschan, Anatolien, China, Polen, Syrien oder sogar auf den Mars als möglichen Lebensraum späterer Generationen. Neue Impulse kommen von Robert Klebenow, der mit einem multimedialen Fotoprojekt einen sowohl philosophischkünstlerischen als auch naturwissenschaftlichen Ansatz wählt und sich dem Thema Zukunft unter Zuhilfenahme neuer digitaler Techniken widmet. Und schließlich ist da noch die 28-jährige Julia Steinigeweg. Einstimmig wurde ihre sensibel porträtierte Abschlussarbeit über die Beziehung zwischen Mensch und anthropomorphen Puppen von der Jury auf Platz 1 gewählt. "Ich bin sehr glücklich über den Preis", freut sich die Hamburgerin. Mithilfe der 5.000 Euro Fördergeld finanziert sie ihr Buch, das im März bei Peperoni erscheinen wird. Außerdem plant die junge Fotografin eine Japanreise, um sich dort mit anthropomorphen Figuren in Form von Androiden zu beschäftigen. Wir wünschen ihr viel Erfolg und halten unsere Leser auf dem Laufenden.

Julia Steinigeweg (Jahrgang 1987), HAW Hamburg

"Ein verwirrendes Potenzial"
Was benötigt ein Mensch, um Liebe zu empfinden? Muss es ein Gegenüber geben, auf das man seine Gefühle projizieren kann? In der Arbeit "Ein verwirrendes Potenzial" wird die Beziehung zwischen Menschen und Puppen thematisiert. Das Gegenüber besitzt keine eigene Psyche und beunruhigt gleichzeitig umso stärker mit seiner physischen Präsenz. Die hier abgebildeten Paare sind auf der Suche nach einer von Angst und Kontrollverlust befreiten, ruhigen Beziehung. Die Frage danach, ob eine anthropomorphe Figur einen lebenden Menschen in zwischenmenschlichen Beziehungen ersetzen kann und inwieweit dieser Ersatz in der heutigen Gesellschaft akzeptiert wird, hat Julia Steinigeweg zu einer Reise in die Welt der Puppenliebhaber, Hersteller und Sammler veranlasst.

Das Urteil der Jury
Julia Steinigeweg präsentiert ein mit Vorurteilen belegtes Thema auf unspektakuläre, leise und gerade deshalb berührende Weise. Ihre visionären und auch formalästhetisch herausragenden Fotografien geben Einblicke in die Intimsphäre von Menschen, ohne dabei ins Voyeuristische zu fallen. Es ist eine originelle, präzise fotografierte Geschichte mit Reibungsfläche, die uns sogleich in ihren Bann gezogen hat.

Patrick Sinkel (Jahrgang 1983), dapd-Fotografenausbildung
"Kämpfe für deinen Traum"
Die Fotoreportage entstand während eines einmonatigen Aufenthalts des Fotografen in Ghana und erzählt die Geschichte von jungen Nachwuchsboxern, die aus dem Armenviertel Bukom in Accra stammen und dort trainieren. Der Traum, als Boxer erfolgreich zu sein, treibt viele Einwohner schon in jungen Jahren an. "Alle Boxweltmeister aus Ghana stammen aus diesem kleinen Stadtteil von Accra", berichtet der Fotograf. "Wenn du hier aufwächst", so erzählte ihm der ehemalige Boxprofi und heutige Trainer Napoleon Tagoe, "dann lernst du, dich zu verteidigen - ob du willst oder nicht. Für viele hier ist das Boxen symbolisch für den Lebenskampf."

Das Urteil der Jury
In einer exzellent fotografierten, klassischen Bildreportage beschäftigt sich Patrick Sinkel mit jungen Menschen, die einer sportlichen Tätigkeit nachgehen - in der Hoffnung, eines Tages ein besseres Leben führen zu können. Die eingereichten Drucke sind hervorragend ausgearbeitet und die stimmige Ausleuchtung ergibt mit der schärfeorientierten Anmutung der Bilder eine schlüssige Serie mit sehr emotionalen Momenten. Wie ein unsichtbarer Beobachter schafft es der Fotograf, scheinbar unbemerkt zu bleiben, Gefühle sichtbar zu machen und uns mitten ins Geschehen zu tragen.

Robert Klebenow (Jahrgang 1985), BEST-Sabel Berlin
"The Probable Universe"
Die Arbeit von Robert Klebenow ist inspiriert von dem Prinzip der Quantenmechanik und der Stringtheorie mit ihrer Idee von einer unendlichen Anzahl an Welten parallel zu unserer. Ein Projektor, der auf einem industriellen Roboterarm arretiert wurde, bewegt sich autonom durch den Raum und fokussiert mit starrem Blick die verschiedenen Arrangements, enthüllt und überlagert dabei den Raum und die menschliche Gestalt mit einer sogenannten "Mapping Applikation". Die Texturen erlauben endlose Variationen von möglichen Welten und Geschichten.

In Anlehnung an die Kopenhagener Deutung (eine Interpretation der Quantenmechanik) bestehen Teilchen in allen möglichen Zuständen gleichzeitig im Rausch der Wahrscheinlichkeit. Erst, wenn ein Teilchen beobachtet wird, ist es gezwungen, seinen Zustand zu wählen. Die Installation spiegelt dieses Konzept wieder, indem der physische Raum und Mensch mit einer potenziellen digitalen Welt überlagert wird. "The Probable Universe" ist das Zeugnis einer geheimnisvollen Erkundungstour in die Zukunft, wo "alles, was passieren kann, passiert." (Brian Cox & Jeff Forshaw)

Technology & Design: Paul Ferragut, Fashion & Design: Ann-Kristin Abel

Das Urteil der Jury
Robert Klebenow reichte die am meisten diskutierte Arbeit zur PhotoVision ein. Die Mehrheit der Jury zeigte sich angesprochen von der zeitgenössischen, modernen Art der Inszenierung und davon, wie sich dem Betrachter das Medium erschließt. Besonders interessant ist der Brückenschlag zwischen analoger, physischer Arbeit und der Präsentation unter Einbindung der digitalen Ebene. Das finale Bild betrachtet man auf dem digitalen Screen - eine Weiterentwicklung, die sich auf das Konsumverhalten junger Nutzer zubewegt und den QR-Code als neues technisches Medium einsetzt.

Julia Runge (Jahrgang 1990), Ostkreuzschule Berlin
"Basterland"
Am 8. Mai 1915 überfiel das deutsche Kolonialheer das namibische Volk der "Baster” in ihrer letzten Zuflucht, Sam Khubis. "Bis heute tauchen diese historische Schlacht und ihre Protagonisten in unserer Aufarbeitung der Kolonialgeschichte nahezu nicht auf", führt Julia Runge in ihrer Konzeptbeschreibung an. "Als Fotografin befasse ich mich daher mit der Gemeinde der Baster. Ich möchte diesen Menschen ein Gesicht verleihen, das nicht nur in den internationalen Medien gänzlich untergegangen ist." Da die Fotografin bereits in Namibia gelebt hat, konnte sie die Baster auf eine Art und Weise kennenlernen, die sie bis heute nachhaltig inspiriert und geprägt hat. "Für die Baster gibt es ohne Vergangenheit und Gegenwart auch keine Zukunft", erzählt sie und führt ein Zitat von Joachim Gauck an: "Zwar sind wir für unsere Vergangenheit nicht verantwortlich - für den Umgang mit ihr aber allemal. Und dieser Umgang entscheidet über unsere Gegenwart und Zukunft.”

Das Urteil der Jury
Julia Runge zieht in die Welt hinaus, um sich als Fremde einem politischen Thema anzunehmen, das in unserem Bewusstsein kaum noch vorkommt, und wenn, dann höchstens am Rande. Wir haben es mit einer Porträtposition zu tun, die einen unglaublich sensiblen Umgang mit Farbe und Licht an den Tag legt. Der entsättigte Look und das stimmige fotografische Konzept runden die eindrucksvolle Arbeit ab.

Ella Privorozki (Jahrgang 1992), BEST-Sabel Berlin
"Terra Futura"
"Wir bedienen uns täglich an den Schätzen der Erde, an den Rohstoffen, Ressourcen und Reserven der Natur. Was aber wäre, wenn uns die Erde den Wasserhahn zudreht?" Auf diese Ausgangsfrage baut Ella Privorozki ihre Serie "Terra Futura" auf und schafft eine erschreckende Dystopie, in der das Kind die Erde bzw. Mutter Natur symbolisiert, die Eltern für das Volk bzw. die Gesellschaft stehen und die Gruppe der schwarz gekleideten Männer die Wirtschaftsgiganten der Welt darstellen. Für die Tischszene ließ sich die Fotografin von Leonardo Da Vincis "Das Abendmahl" inspirieren. Die Schläuche stehen sinnbildlich für den Raub der Rohstoffe. Und das Kind? "Das Kindesalter ist ein Stadium, in dem das Menschenalter eine unvoreingenommene und unberührte Darstellung aufweist. Dieses Kind steht für Unschuld, Unerfahrenheit und neues Leben."

Das Urteil der Jury
Ella Privorozki wirft einen extremen und zugleich beängstigenden Blick in die Zukunft. Wie könnte ein Leben aussehen, in dem die Wasserressourcen so gut wie aufgebraucht sind? Wie ein Storyboard baut die Fotografin die Geschichte sukzessive auf - vom Close-up, über das Porträt, hin zur szenischen Totale. Die Serie weist eine klare, filmische Qualität auf, die dramaturgisch bewusst als Sequenz aufgebaut ist.

DIE JURY

Die Jury tagte auch diesmal wieder im Haus der Photographie/Deichtorhallen Hamburg - von links nach rechts: Oliver Hadji (HaPa-Team), Berti Kolbow-Lehradt (Adobe), Peter Geller (Fotograf, California Sunbounce), Frank Späth (PHOTOGRAPHIE), Ingo Taubhorn (Haus der Photographie/Deichtorhallen) / Foto: tfh

DER WETTBEWERB
Seit nunmehr 17 Jahren dient der PHOTOGRAPHIE-Förderpreis PhotoVision als Sprungbrett für die Karriere junger Nachwuchsfotografen. Auch in diesem Jahr werden wir ein neues Wettbewerbsthema ausschreiben. Studierende und ausgebildete Fotografen bis 32 Jahre können sich vorab für den Newsletter registrieren: j.kuehle@photographie.de (Stichwort: Photo-Vision 2016)


Fotos: Julia Steinigeweg, Patrick Sinkel, Robert Klebenow, Julia Runge, Ella Privorozki
Autor: Jana Kühle

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