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Das Leben der Sally Mann
Landschaft mit Narben: In Sally Manns Fotoband "Deep South"schaut man auf trügerische Idyllen. Die Wälder und Wiesen, die die Fotografin hier versammelt, sind gezeichnet vom Amerikanischen Bürgerkrieg. Vor gut 150 Jahren ereigneten sich an diesen Orten die blutigsten Schlachten zwischen Unionisten und Südstaatlern. Sally Mann; Deep South, Untitled (Sacrred Tree); 1998
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Das Leben der Sally Mann

Der Blick zurück


Seit vielen Jahrzehnten ist die 1951 in Lexington geborene Fotografin Sally Mann "The Eye of America". Keine Bildermacherin davor und danach hat so schonungslos auf die "Conditio humana" sowie auf die Randgebiete unserer Existenz geblickt. Unter dem Titel "A Thousand Crossings" dokumentiert sie in einer Wanderausstellung in den USA ihre Weggabelungen.

Genau betrachtet ist alles anders. Da ist nichts so harmlos, wie es scheint, und doch ist vieles banaler, als es aussieht. Da ist manches von Furcht und Schrecken durchzogen und doch alles gehalten von großer Liebe. Man muss nur einmal ganz genau hinschauen - mit Augen, die durch alle Vordergründigkeit hindurchsehen können. Augen, wie sie die 1951 in Lexington geborene Fotokünstlerin Sally Mann hat.

Alter und Kindheit liegen dicht beieinander. Von ihren ersten Bildern an interessiert sich Sally Mann für die großen Kreise des Lebens. Ihre Bildthemen beschäftigen sich immer wieder mit existenziellen Fragestellungen. Nicht nur deshalb zählt die Fotografin längst zu den wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen der Vereinigten Staaten. Sally Mann; The Twi Virginias #4; 1991

"Nur wenige Fotografen haben eine vergleichbare Standhaftigkeit im Sehen wie sie", meinte einst der amerikanische Dichter Reynolds Proce in einem Artikel für das Time Magazine. Die klar vermittelte Beredsamkeit, die Sally Mann aus ihren Objekten ziehe, zeuge immer auch von einer Leidenschaft, die von großer Liebe getragen sei.

Es ist eine Liebe, die viele verwirrt hat. Direkt und schonungslos; rau, aber ehrlich. Eine Liebe, die vermutlich viel mit der Landschaft zu tun hat und mit den Menschen, die darin wohnen: Es ist ein kleiner Flecken Erde im Westen Virginias. Sally Mann lebt auf diesem seit ihrer Kindheit. In den Wäldern, die bereits dem Amerikanischen Bürgerkrieg getrotzt haben, und unter dem Licht, das Kunstgeschichte geschrieben hat.

Nicht nur Sally Manns eigenes Werk ist von diesem beschienen; es findet sich auch auf den Gemälden des großen Farbpoeten Cy Twombly wieder. "Wir im Süden", hat Sally Mann einmal über diese eigentümliche Gegend gesagt, "wir verstehen es, Geschichten zu erzählen." Geschichten, die auf den ersten Blick recht gewöhnlich erscheinen mögen. Sie handeln von spielenden Kindern und von den Einübungen im Älterwerden, von Freuden und Ängsten, von Wunden und Narben. Auf den zweiten Blick aber sind diese Geschichten doppelbödig. So wie Sally Mann sie mit ihren großen, an die Fotografie des 19. Jahrhunderts erinnernden Bildern erzählt, so hat sie zuvor noch niemand erzählt.

Den gesamten Artikel mit weiteren Bildern finden Sie in der PHOTOGRAPHIE-ePaper-Ausgabe 4/2018.

Die Ausstellung "Sally Mann. A Thousand Crossings" ist vom 4. März bis zum 28. Mai in der National Gallery of Arts in Washington zu sehen. Weitere Stationen:
  • Peabody Essex Museum, Salem, 30. Juni bis 23. September 2018
  • J. Paul Getty Museum, Los Angeles, 20. November 2018 bis 10. Februar 2019
  • The Museum of Fine Arts, Houston, 3. März bis 27. Mai 2019
  • Jeu de Paume, Paris, 17. Juni bis 22. September 2019


Fotos: Sally Mann
Autor: Ralf Hanselle

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