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Ray Collins: Eins mit dem Ozean
Pilorum Ray Collins

RAY COLLINS

Die Bilder des Australiers Ray Collins (*1982) wurden weltweit veröffentlicht, unter anderem von Vogue, der New York Post, National Geographic, The Australian, CNN und ESPN. 2015 brachte er seinen Debütbildband "Found At Sea" auf den Markt. Sein zweites, stilistisch gänzlich anderes Buch wird ab November in Deutschland erhältlich sein. Gegen Ende des Interviews verriet Ray übrigens, dass er - genau wie fast alle seine Surferfreunde - eigentlich schreckliche Angst hat vor dem Ozean. Zumindest vor allem, was sich unter der Wasseroberfläche abspielt. Ray lebt mit seiner Frau und dem gemeinsamen Hund in Thirroul. Ihr Haus steht, natürlich, in Strandnähe.

www.raycollinsphoto.com


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Ray Collins: Eins mit dem Ozean

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Großartig in jeder Hinsicht war die Eröffnung der Open-Air-Ausstellung am Strand von Zingst anlässlich des Umweltfotofestivals Horizonte (noch bis zum 3. Juni): Monumentale Ansichten von riesigen Wellen auf riesigen Tafeln vor der beeindruckenden Kulisse der Ostsee. Der sympathische Ray Collins erzählte vor seinem Werk von seinen Abenteuern auf dem Meer - und alle waren begeistert. Grund genug für uns, seine in der PHOTOGRAPHIE 11/2017 gezeigten Arbeiten noch einmal zu präsentieren ...

Es ist selten, sich ganz und gar in einem Bild zu verlieren und dabei sein Umfeld völlig auszublenden. "Fang" ist so ein Bild, bei dem das möglich ist. Und Ray Collins der Mann, der es gemacht hat. Die Geschichte eines der innovativsten Wasserfotografen des letzten Jahrzehnts bietet genügend Aufhänger, um eine möglichst spektakuläre Story zu Papier zu bringen: die unzähligen Auszeichnungen, die ihm bereits zugesprochen wurden; der beinahe schon hollywoodreife Kontrast zwischen seinem Job als Bergarbeiter - kilometertief unter der Erdoberfläche - und seiner Leidenschaft für den Ozean; Rays angeborene Farbenblindheit, die ihn dazu brachte, sich auf Formen und Strukturen zu konzentrieren; der Werdegang vom reinen Hobbyfotografen zum Vollzeitprofi, dessen Motive die Kreativabteilungen bei Nikon, Apple und Red Bull begeistern

Doch diese Aspekte ins Zentrum dieses Porträts zu rücken, würde dem Naturell des 35-Jährigen keineswegs gerecht. Seine Liebe gilt einzig und allein: dem Meer. Ihn überkomme beinahe ein therapeutisches Gefühl, wenn er mit Surfboard und Kamera stundenlang in seiner "zweiten Heimat" unterwegs ist, sagt der Australier: "Egal wie du geschlafen hast oder wie mies dein Tag bislang war - sobald du im Ozean bist, fühlt sich das an wie ein mentaler Neustart."

Ray Collins vor seiner riesigen Open-Air-Installation am Strand anlässlich des Umweltfotofestivals Horizonte Zingst. Bis zum 3. Juni können diese Monumente der Naturgewalt in dem Kurort an der Ostsee besucht werden. ( A. Spaeth)

Häufig gleichen Rays mitunter düstere, fast schon mürrische "Seascapes" den Abbildern majestätischer Berge, frostiger Eislandschaften und schroffer Felswände. Tatsächlich sind erstaunlich viele Landschaftsfotografen, Bergsteiger und Kletterer Teil seiner Fangemeinde. Auch die Kommentare auf seinen Social-Media-Profilen legen nahe, dass er sein persönliches Ziel immer wieder erreicht: Ray möchte das Wasser für einen Moment seiner fließenden Natur berauben und es stattdessen in starres Eis oder massiven Fels verwandeln.

Doch wie entstehen seine Bilder? Motive, die erscheinen wie ein Schnappschuss, aber sowohl kompositorisch als auch technisch weit darüber hinausgehen. Sicher, ohne Glück, Zufall, den guten Autofokus und die Serienbildfunktion seiner Nikon D5 sind solche Fotos kaum möglich. Schließlich ist das Wasser ständig in Bewegung. Wie ein lebendiges Atelier zieht, drückt und dreht der Ozean Ray mit seinem Surfbrett in alle Richtungen und wartet keineswegs darauf, dass er endlich die richtige Position und Perspektive gefunden hat. Und wiederholen lässt sich ein Motiv auch nicht.

Fang Ray Collins
Trotzdem sind alle Aufnahmen durchdacht und wohlkomponiert. Jahrelange Erfahrung sowie die intuitive Fähigkeit, das Meer lesen zu können, sind für den Fotografen der Schlüssel. Und die Gelassenheit, auch mal ohne das womöglich perfekte Bild zur Küste zurückzupaddeln: "Ich selbst bin mein größter Kritiker, denn in jedem Motiv finde ich etwas, das mich stört - wenn beispielsweise die Komposition oder das Licht nicht optimal sind. Inzwischen habe ich gelernt, das zu akzeptieren. Außerdem ist es für mich der Antrieb, immer weiter zu fotografieren."

Akribische, teils wochenlange Vorbereitungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Auslösen ist, wie in jedem anderen fotografischen Genre, lediglich der letzte Schritt. Ray beobachtet Wetterkarten, verfolgt penibel, wie sich Stürme entwickeln und wann es zu gefährlich ist, an bestimmten Stellen im Meer zu fotografieren. "Kein Foto der Welt ist es wert, sich dafür zu sehr in Gefahr zu bringen", sagt er. Wind, Gezeiten und Wellengang müssen ebenso stimmen, um ideale Bedingungen vorzufinden. Das beste Licht gibt es meist zur blauen oder goldenen Stunde.

Dieser Mann ist wirklich "cool": Ray Collins. Wer sich auf einem Surfbrett mit einer Kamera riesigen Wellen stellt, kennt keine Angst - nur Staunen vor der Schönheit der Natur. ( A. Spaeth)
Ray wuchs in einem Vorort der australischen Küstenstadt Wollongong auf, einer Region mit langer Bergbautradition. 13 Jahre lang arbeitete auch er tief unten in der Mine. Der Ozean war seit jeher sein Refugium. Lange Zeit glich sein Leben der perfekten Balance zwischen einem schwarzen (der Mine) und einem blauen Dasein (dem Meer). 2007 setzte ihn eine schwere Knieverletzung sechs Monate außer Gefecht. Für Ray das Zeichen, sich endlich diese Kamera zu kaufen, nach der er sich so lange sehnte. Seitdem arbeitete er nur noch Teilzeit im Bergwerk (40 Stunden an drei Tagen pro Woche!). Die restliche Zeit verbrachte er auf dem Wasser, um seine Surferfreunde zu fotografieren. Seit zwei Jahren ist er heraus aus der Mine und bestreitet seinen Lebensunterhalt gänzlich von der Wellenfotografie. Was ihn rückblickend fotografisch am meisten nach vorn gebracht hat? Vielleicht der Zwang, mit nur einem Objektiv - meist einer lichtstarken Festbrennweite - pro Schwimmsession auszukommen? Oder der Hype um seine Bilder, nachdem er 2009 das renommierte Follow-the-Light-Stipendium erhielt? Die erste Zusammenarbeit mit großen Firmen? Nichts von alledem, gesteht er. "Seit 2011 trinke ich keinen Alkohol mehr", lautet die überraschende Antwort. Zwar war er vorher keineswegs ein Trunkenbold, doch seitdem spüre er deutlich mehr Energie, Tatendrang und Fokus, um seine Bilder voranzutreiben.

Collide Ray Collins
Dieser Stil ist es auch, der weltweit begeistert. Angefangen hat er 2007 als Surffotograf. Inzwischen verzichtet Ray fast immer auf Personen im Bildausschnitt. Wenn sie doch zu sehen sind, dann nur, um die Größenverhältnisse zwischen Mensch und Natur zu verdeutlichen. "Bei mir ist die Welle der Hauptdarsteller", beteuert der Australier. In seinen Motiven ist er stets auf der Suche nach geografischen Formen als Ausdruck der schier endlosen Energie des Ozeans - und steigt dafür auch mal in einen Helikopter. Rays Bilder ermöglichen eine unbekannte Perspektive auf einen Ort, den wir alle lange kennen, aber den bislang kaum jemand als so unmittelbare und bereitwillige Kunstform betrachtet. "Für mich sind Wellen wie eine endlose, leere Leinwand. Außerdem musst du sie nicht überreden, schon zum Sonnenaufgang wach zu sein, damit du sie im besten Licht fotografieren kannst."

Videoporträt ("The Now") über Rays Arbeiten
www.vimeo.com/123185527
Link zu seinem ersten Bildband "Found At Sea"
tinyurl.com/RayCollins-FoundAtSea


Fotos: Ray Collins
Autor: Florian Sturm / A. Spaeth

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