Wim Wenders Welt
Große Ausstellung in Hamburg
Riesige Abzüge schmücken derzeit die großen Wandflächen der Sammlung Falckenberg. Sie stammen von dem weltbekannten Regisseur Wim Wenders und haben so gar nichts mit dem Trubel bei den Oscar-Verleihungen oder am Film-Set zu tun. Eine andere Welt. Die des Fotografen Wim Wenders.
Weiß, überall weiß. Alles strahlt. Handwerker strecken sich auf Leitern mit dem Pinsel in der Hand, um noch die kleinste unbeachtete Ecke mit dieser Lichtfarbe zu versehen. Es sind die letzten Renovierungsarbeiten in den Räumen der Sammlung Falckenberg/Deichtorhallen in Hamburg-Harburg und zugleich die letzten Vorbereitungen zu einer beachtenswerten, bis zum 5. August laufenden Ausstellung. Denn in diesem vierstöckigen Reinraum hängen Wim Wenders Fundstücke aus vielen Jahren und vielen Reisen unter dem Titel "Places, strange and quiet".
Open-Air-Screen, Palermo, 2007 "Ein gewaltiger Hornissenschwarm hatte sich auf diesem Gelände angesiedelt. Überall summten die Viecher herum. Die mussten das Publikum verjagt haben. Und mich dann auch ..." (C-print 186 x 213 cm)
Jedes erzählt eine Geschichte, begleitet von Texten, die eine ganz eigene Stimmung erzeugen - vom Fotografen selbst verfasst, der sich als Dolmetscher zwischen den abgebildeten Orten und dem Betrachter versteht. Diese Dualität zwingt den bildverwöhnten Kritiker in die inhaltliche Reduktion. Das Bild wirft Fragen auf, die der Text beantwortet. Diese wechselseitige Wirkung zieht mich in den Bann der bildgewaltigen Erzählungen. Geradezu erschütternd sind die Fotografien von Wim Wenders Reise in das Umland von Fukushima im Herbst 2011. Dort setzte er sich einem Wert von 8,19 Mikrosievert aus, um einen besonderen Ort im Umland aufzusuchen. Dort, wo die einfachen Menschen leben.
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Wim Wenders
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Dazu schreibt er: "Erst Wochen später habe ich meine Bilder entwickelt. Die Negative aus Fukushima waren zerstört, wie zerfressen und zeigten alle dieselbe Sinuskurve: Auf dem Film war die unsichtbare Strahlung sichtbar geworden." Wim Wenders bildet das Grauen in einer ganz außergewöhnlichen, nicht minder erschreckenden Art ab - betroffen stehe ich vor seinen beschädigten Fotografien - eigentlich Makulaturen - mit diesen paranormal anmutenden Linien ...
Weitere Bilder und ein Interview mit Wim Wenders finden Sie in PHOTOGRAPHIE 6/2012.
Übrigens: Aufgrund der großen Nachfrage wird die Laufzeit der Ausstellung "Places, strange and quiet" von WIM WENDERS in der Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg bis zum 19. August 2012 verlängert.
Fotos: Wim Wenders
Autor: A. Spaeth