Loredana Nemes
Die Rumänin Loredana Nemes (geb. 1972) floh 1986 als Kind mit ihren Eltern nach Deutschland. Nach dem Studium der Germanistik und Mathematik wagte sie 2001 als Autodidaktin einen radikalen Neuanfang mit der Fotografie. Zahlreiche Ausstellungen, Preise und Publikationen folgten. Hatje Cantz verlegte ihr erstes Buch 2010, vertreten wird sie von der Baukunst Galerie in Köln. Mit der Arbeit "Beyond" gehört sie zu den Preisträgern des Wettbewerbs "Fremde Heimat" der Reisebank. Bis zum 30. September 2012 zeigt das Städtische Museum Nemes' neueste Arbeiten über die Jugendlichen in Ludwigsburg.
www.loredananemes.de
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Serie Fotografen der Zukunft: Loredana Nemes
Fremde Heimat
Loredana Nemes wirft in ihrer Serie "Beyond" einen Blick hinter die verschleierten Fenster Berliner Männercafés.
1984. Während eines sechsmonatigen Aufenthalts im Iran erlebt die damals 12-jährige Loredana Nemes die Kultur der getrennten Lebensräume für Männer und Frauen als völlig fremd und radikal andersartig. So eine Tradition gab es in ihrem Heimatland Rumänien nicht. Neugierig, wie sie schon immer war, klopfte sie an die Tür eines Raums, der ausschließlich Männern vorbehalten war. Sie hatte sich einen Vorwand einfallen lassen, warum sie unbedingt ihren Vater sprechen müsse. "Ohne abzuwarten, dass man mich einließ, öffnete ich die Tür und sah, wie eine große Shisha, eine Wasserpfeife, rumgereicht wurde. Alles war so neblig, verraucht", erinnert sich die Künstlerin und betont, dass sie diese unbekannte Umgebung geheimnisvoller fand als die sichtbare Umgebung der Frauen, die sie als "erfassbar" erlebte, weil hier gekocht, gegessen und gespielt wurde.
Ohne das Innere zu betreten, blickt Loredana Nemes von außen in Männern vorbehaltene, geheimnisvolle Orte.
25 Jahre später. Auf dem nächtlichen Heimweg von ihrem Studio in Berlin-Mitte über Kreuzberg in ihre Wohnung nach Neukölln nimmt Loredana Nemes die hell beleuchteten orientalischen Lokale in Berlin besonders intensiv wahr: "Ich war von ihnen angelockt, getrieben durch den Impuls aus meiner Kindheit und durch Neugier."
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Nail: Die Fensterscheibe verzerrt die Gesichter der orientalischen Männer, macht sie geheimnisvoll und düster - so, wie wir es von Phantom- und Fahndungsbildern kennen.
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Daraus entwickelt sie die Idee, von außen in diese Orte hineinzuschauen, ohne je das Innere zu betreten. Ihre Aufnahmen durch die großen, beschlagenen Fensterscheiben in die hell erleuchteten Räume sind magisch aufgeladen. Nur andeutungsweise geben sie etwas von ihrem Inneren preis und von den Menschen, die sich in ihnen aufhalten.
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"Wenn irgendwo eine Türe verschlossen war, musste ich schon als Kind unbedingt die Klinke drücken und herausfinden, was dahinter ist." Schon immer waren die Arbeiten der Künstlerin von ihrer Neugier angetrieben.
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Den gesamten Artikel zu Loredana Nemes finden Sie in der PHOTOGRAPHIE 7-8/2012
Fotos: Loredana Nemes
Autor: Ute Noll