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Fotopraxis ND-Filter
Nordisland. Am Zufluss zum Myvatn-See bestand die Schwierigkeit darin, auf den Schneeflächen einen sicheren und flachen Zugang zum Motiv zu erhalten. Manuell, ISO 200, 6 s, f/11.

HERSTELLERLISTE

ND-Filter reduzieren die Lichtmenge und ermöglichen entweder eine grössere Blendenöffnung zum besseren Freistellen von Motiven oder längere Belichtungszeiten für fliessende Bewegungen. Wird mehrere Minuten belichtet, verschwinden sogar ganz nebenbei bewegte Motive, etwa Menschen, die durch das Bild laufen.

Bilora www.bilora.de
ND4
Canon www.canon.de
ND4, ND8
Delamax (meinfoto.com)
www.delamax.de, www.meinfoto.com
ND2, ND4, ND8
Doerr www.doerrfoto.de
ND8
Hama www.hama.de
Grau, Dunkelgrau, Grau-Verlauf
Heliopan www.heliopan.de
ND 2, ND 4, ND 8, ND 16, ND 32, ND 100, ND 1000
Hoya www.hoyafilter.com
ND4, ND8
Kaiserfoto, Rodenstock www.kaiser-fototechnik.de, www.rodenstock-foto.de
ND2, ND4, ND8
LCW Fader www.calumetphoto.de
ND2, ND4, ND8
Marumi www.marumi-international.com
ND2, ND4, ND8, Half-ND4, Center ND-II
Massa www.massa.com.cn
ND2, ND4, ND8, ND16, ND32
Panasonic www.panasonic.de
ND8
Samsung www.samsungimaging.com
ND4
Schneider Kreuznach, B + W www.schneiderkreuznach.com
ND2, ND4, ND8, ND64, ND1000
Tiffen www.tiffen.com
ND2, ND4, ND8
Walimex (Foto Walser) www.foto-walser.biz
ND8


Praxis & Know How
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Fotopraxis ND-Filter

Die Entdeckung der Langsamkeit


Fliessende Bewegungen, die das menschliche Auge so nicht wahrnehmen kann, ziehen den Betrachter in ihren Bann. Damit der Fotograf nicht nachts unterwegs sein muss, um solche Bilder einzufangen, bedient er sich eines Tricks: des lichtschluckenden Graufilters.

Die digitale Fotografie hat in den letzten Jahren eine geradezu atemberaubende Entwicklung genommen. Moderne DSLRs bieten Verschlusszeiten von 1/8000 Sekunden und Sensorempfindlichkeiten von bis zu ISO 102.400, selbst Serienbildfolgen mit einem Dutzend Bildern pro Sekunde meistern aktuelle Bildermaschinen. Alles nützliche Features, die dem Trend schneller und scharfer Action, möglichst aus der Hand fotografiert, gerecht werden.

Möchte man im Gegenteil lange Verschlusszeiten nutzen, um ruhige, fast meditative Bilder von Nebelschleiern, von Wellen umspielten Meeresküsten, spiegelglatten Seen oder auch unwirklich weich strömenden Wasserfällen zu erhalten, stellt einen paradoxerweise gerade die neueste Technik vor oft völlig neue Probleme. Immer lichtempfindlichere Sensoren etwa begrenzen den Spielraum nach unten. Wo zu analogen Zeiten noch Filme mit ISO 50 eingesetzt werden konnten, ist heute nicht selten bei ISO 200 Schluss. Zudem erschweren moderne, für den Autofokus optimierte Objektive die manuelle Einstellung der Schärfe.

Natürlich erhält man am einfachsten lange Verschlusszeiten bei Regen, in der Dämmerung oder nachts - leider alles relativ langweilige Lichtsituationen, die dem Fotografen praktisch keinen Spielraum lassen, mit Licht "zu malen", also dem wortwörtlichen Sinn von Fotografie zu entsprechen. Sollen lange Zeiten bei "gutem" Licht oder gar grellem Sonnenschein eingestellt werden, kommt man schnell an die Grenzen der Empfindlichkeit, nur nicht auf der gewohnten Seite, sondern am unteren Ende der Skala.

ND-DIMMER

Variabler Graufilter von Delamax
Mit der Wahl der Dichte eines Graufilters legt sich der Fotograf auf eine bestimmte Verlängerung der Belichtung fest. Ein ND8-Filter etwa verlängert die Belichtungszeit um das Achtfache. So wird beispielsweise aus 1/125 s 1/15 s. Reicht das nicht, muss der Fotograf das Filter wechseln. Für 8 s etwa benötigt er hier eine 1.000-fache Verlängerung. Basierend auf dem Polarisationsprinzip mit einer festen und einer rotierenden Scheibe, die Licht nur in einer bestimmten Ausrichtung passieren lassen, wählt der Fotograf durch Gegeneinanderverdrehen der beiden Scheiben die Lichtmenge, die am Sensor ankommt. Dabei sind die polarisierten Scheiben so aufeinander abgestimmt, dass Randstörungen vermieden werden können und es zu einer homogenen Abdunkelung der gesamten Bildfläche kommt. Neben der Flexibilität einer variablen Dichte kann der Fotograf trotz montiertem Filter den Autofokus nutzen. Ist die richtige Schärfe eingestellt, schliesst er das Filter auf die gewünschte Verlängerung und findet - wie beim klassischen Graufilter - die korrekten Belichtungsparameter manuell.

Fliessende Bewegungen zeigen

Als Faustregel können Fotografen bei Sonnenschein mit Blende f/16 und einer Empfindlichkeit von ISO 100 sowie einer Verschlusszeit von 1/125 s rechnen - das ist nicht gerade lang. Selbst an einem trüben und bewölkten Tag beträgt die Verschlusszeit kaum mehr als 1/4 s - viel zu langsam, um aus der Hand zu fotografieren, aber wiederum noch viel zu kurz, um eine typische Langzeitbelichtung von mehreren Sekunden zu erhalten. Die beste Möglichkeit, die Belichtungszeiten extrem zu verlängern, ist der Einsatz eines Neutraldichte- (ND-) beziehungsweise Graufilters. Diese Filter sind homogen grau bis schwarz eingefärbt. Sie reduzieren die Lichtmenge spürbar, ohne die Farbwiedergabe zu verfälschen. So sind selbst bei Sonnenschein lange Belichtungszeiten möglich. Beispielsweise verändert ein Graufilter mit einem Verlängerungsfaktor von 1.000 die Belichtungszeit um den Faktor 1.000. Aus 1/125 s wird so eine Verschlusszeit von 8 s - bei ansonsten gleichen Einstellungen.

Wer mit einem ND-Filter arbeitet, wird ein ganz neues Fotografiererlebnis kennenlernen. Die hilfreichen Features moderner DSLRs wie automatische Belichtungsmessung und der Autofokus funktionieren allerdings gar nicht mehr oder nur noch in Ansätzen. Das Sucherbild ist praktisch schwarz und einzelne Aufnahmen, inklusive des Blackouts nach dem Auslösen, dauern oft mehrere Minuten.

Mit Stativ und ganz viel Ruhe

Die beste Methode, zu einer Aufnahme zu kommen, erinnert an die Anfänge der Fotografie im vorletzten Jahrhundert: Ist ein potenzielles Motiv gefunden, wird die Kamera auf einem stabilen Stativ montiert und der endgültige Bildaufbau festgelegt. Da selbst modernste Kameras nicht in der Lage sind, mit einem starken ND-Filter exakt scharf zu stellen, sollte der Autofokus abgeschaltet werden, sobald das Filter montiert ist. Die richtige Belichtungszeit wird am besten ermittelt, indem die Belichtung ohne Filter gemessen und mit dem entsprechenden Verlängerungsfaktor multipliziert wird. Hat man beispielsweise eine Blenden-Zeit-Kombination von f/11 und 1/60 s, käme man mit einem 1000x-Filter auf eine Belichtungszeit von circa 16 s (1/60 s x 1.000 = ca. 16 s). Anschliessend montiert man das Graufilter, deckt das Okular ab, um Streulicht, das durch den Sucher in die Kamera fällt, auszuschliessen, und löst aus. Vergisst der Fotograf den Autofokus zu deaktivieren, bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit der ganzen Prozedur von vorne zu beginnen.

Toskana. Das Bild entstand in den frühen Morgen-stunden am Strand in der Maremma. Die lange Verschlusszeit verschleiert sämtliche menschlichen Spuren. Manuell, ISO 100, 10 s, f/11.
Kontraste mindern mit Verlaufsfiltern

Ein ganz anderes Anwendungsgebiet von ND-Filtern sind die sogenannten Verlaufsfilter. Diese werden normalerweise zur farblichen Tonung oder Abdunkelung des Himmels eingesetzt. Bei Verlaufsfiltern ist die obere Hälfte in einer Farbe oder Neuralgrau getont, die weich in die ungefärbte Filterhälfte übergeht. Hat die obere Hälfte beispielsweise eine Durchlässigkeit von 50 Prozent, wird der entsprechende Motivteil um eine Blendenstufe abgedunkelt. So kann zum Beispiel ein zu heller, zeichnungsfreier Himmel vermieden werden. Da der Horizont in den meisten Fällen nicht durch die Mitte des Bildes verlaufen sollte, sind runde Verlaufsfilter problematisch. Besser geeignet sind rechteckige Varianten, die sich in einer Filterhalterung verschieben und dem Fotografen so mehr Gestaltungsmöglichkeiten offenlassen. Ein Bespiel hierfür sind die Cokin-Filter, die Fotografen über den Vertrieb des Hapa-Team (www.hapa-team.de) finden. Wird im RAW-Modus fotografiert, lassen sich Verlaufsfilter recht gut mittels Lightroom oder ähnlichen Programmen simulieren. Die Vorteile der physikalischen Filterung und somit der direkten Aufhebung zu grosser Kontrastumfänge sind jedoch nicht zu unterschätzen.

FILTER UND EFFEKTE

Graufilter reduzieren die Lichtmenge, ohne die Farbigkeit der Bilder zu beeinflussen.
Schwarzschild-Effekt: Phänomen analoger Fotografie
Wird für die Langzeitbelichtung ein Dia- oder Negativfilm eingesetzt, muss der nach dem Astronom Karl Schwarzschild benannte Effekt, dass die Empfindlichkeit von Filmmaterial bei sehr langen oder ultrakurzen Belichtungszeiten abnimmt, berücksichtigt werden. Eine allgemeingültige, exakte Formel lässt sich nicht aufstellen. Im Zweifelsfall müssen die Filmdaten vom Hersteller aus dem Internet heruntergeladen oder eine Belichtungsreihe erstellt werden, um etwa ungewollte Farbverschiebungen zu verhindern. Beispielsweise verlangt der Fujifilm Velvia 50 schon bei einer Belichtungszeit von 32 s eine Korrektur von +1 Lichtwert, während der Fujichrom Sensia 100 erst ab zwei Minuten Belichtungszeit eine Korrektur benötigt.

Menschen "entfernen"
Haben Sie sich auch schon einmal gewundert, wie Fotografen den Petersplatz in Rom oder den Kölner Dom ohne jeden Menschen abbilden können? Da eine Absperrung dieser Plätze für Hobbyfotografen sicherlich nicht infrage kommt, ist die Lösung auch hier eine Langzeitbelichtung. Belichtet man ein Bild über Minuten, werden Menschen, die durchs Bild gehen, praktisch unsichtbar. Nur Personen, die sich lange unbewegt an einer Stelle aufhalten, bleiben auf dem Foto sichtbar.

Das kleine ND-Filter-Einmaleins
Die Filterstärke eines ND-Filters ist mitunter nicht ganz einfach zu erkennen - selbst Fotohändler verzweifeln an den Bezeichnungen. Die Filter können beispielsweise mit einer dreistelligen Zahl (B&W), mit 102ND oder 110ND, beschriftet sein. Die letzten beiden Ziffern stehen in diesem Fall für die Blende des Filterfaktors. Der Filter 102ND verlängert die Belichtungszeit demzufolge um zwei Blendenstufen, entsprechend der 110ND um zehn Blendenstufen. Heliopan erwartet von seinen Kunden einige Mathematik-Kenntnisse. Die Filter werden zum Beispiel mit ND0,6, ND1,2 oder ND3,0 bezeichnet. Die Kommazahl hinter ND bezeichnet den Zehnerlogarithmus des Verlängerungsfaktors des Filters. So verlängert der Filter ND1,2 die Zeit etwa um das 16-fache, also um vier Blendenstufen. Der ND3,0 verlängert entsprechend die Belichtungszeit um das 1.000-fache (ca. zehn Blendenstufen). Hoya wiederum gibt den Verlängerungsfaktor direkt im Namen an. Die Filter nennen sich zum Beispiel NDx2, NDx3 oder NDx8. Der NDx3 verlängert die Belichtungszeit um das Dreifache, der NDx8 um das Achtfache usw. Werden mehrere Graufilter gleichzeitig eingesetzt, multiplizieren sich die Verlängerungsfaktoren, das heisst ein 64-facher und ein 1.000-facher Graufilter hintereinander entsprechen einem Filter mit einem Verlängerungsfaktor von 64.000 - aus einer Belichtungszeit von 1/125 s wird so eine Zeit von über acht Minuten.

Südisland. Blick auf den Wasserfall Seljalandfoss. Drei unterschiedliche Belichtungszeiten wurden mit Photomatix zu einem HDR-Bild verrechnet. Manuell, ISO 400, HDR: 8 s, 20 s, 30 s, f/11.
Suchereinblick schliessen

Fast jeder DSLR-Sucher lässt Streulicht ins Kamerainnere eindringen. Normalerweise ist die Lichtmenge so gering, dass dies keinen Einfluss auf das Bild hat. Bei Belichtungen von vielen Sekunden oder gar Minuten macht sich das Streulicht hingegen bemerkbar und das Bild kann stark überstrahlen. Also sollte man den Okularverschluss benutzen oder das Okular wenigstens abdecken. Die meisten DSLRs haben eine optionale Rauschunterdrückung für Langzeitbelichtungen. Auch wenn der Speichervorgang dadurch länger dauert, sollte diese aktiviert werden, um ein stark verrauschtes Bild zu vermeiden. Belichtungszeiten von bis zu 30 s können an einer DSLR normalerweise direkt eingestellt werden. Wenn die benötigte Zeit 30 s überschreitet, muss die Kamera auf "Bulb" gestellt und der Verschluss mittels eines Fernauslöserkabels so lange geöffnet werden, bis die benötigte Belichtungszeit vorüber ist. Da die kamerainterne Rauschunterdrückung ungefähr so lange dauert wie die Belichtung selbst, können leicht mehrere Minuten vergehen, bis eine einzige Aufnahme im Kasten ist. Warum also der ganze Aufwand? Man wird mit einzigartigen Aufnahmen belohnt. Meeresbrandung an der Küste wird zu einem mystischen Nebel, der den Strand umhüllt, Wasserfälle und kleine Bäche wirken wie nicht von dieser Welt, sondern weich und faszinierend - willkommen im Reich der Elfen und Feen.


Fotos: Jörg Hauke
Autor: Jörg Hauke

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