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Prenzlauer Berg 1988
Als ich diese Hinterhöfe das erste Mal im Prenzlauer Berg gesehen hatte, fühlte ich mich sofort an das Westberliner Kreuzberg in den 70er-Jahren erinnert. Ein Unterschied vielleicht - im Osten wirkte alles sehr viel grauer. Die westliche Individualität hatte da schon eher mal zu knallig roten Fensterrahmen geführt ...
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Prenzlauer Berg 1988

Den Dias von damals neues Leben einhauchen


Unzählige Dias und Negative aus der Zeit, als man ausschließlich auf Film belichtete, warten darauf, neu entdeckt zu werden. Manfred Kriegelstein schildert seine Erfahrungen bei der Renaissance alter Kodachrome-Dias vom Prenzlauer Berg.

<b>Das Druck-Equipment:</b> Für seine Serie
Das Druck-Equipment: Für seine Serie "Prenzlauer Berg 1988" hat Manfred Kriegelstein tief ins Archiv gegriffen und eine Auswahl von Kodachrome-Dias mit dem Nikon Coolscan V ED digitalisiert. Das neue Ausgangsmaterial, TIFFDateien, hat er im RA W-Konverter und in Adobe Photoshop aufgepeppt und mit dem Canon Imageprograf Pro 1000 auf Hahnemühle- Photo-Rag-Papier gedruckt. Eine Kombination, mit der Kriegelstein sehr zufrieden ist und die er auch seinen Workshop-Teilnehmern regelmäßig ans Herz legt. Der DIN -A2-Drucker mit zwölf Tinten ist die erste Wahl für viele Fine-Art-Fotografen, die ihre Bilder zu Hause richtig zur Geltung bringen wollen und die häufiger zwischen einem matten und glänzenden Träger wechseln. Ein Tintentausch mit aufwendigem Reinigungszyklus ist dafür nicht erforderlich. Neben der hervorragenden Druckqualität und Geschwindigkeit ist der Fotograf auch von dem Papiereinzug mit Ansaugvorrichtung begeistert. Entgegen der Empfehlung von Canon, keine stärkeren Grammaturen als 400-g-Papiere zu nutzen, kommt bei ihm jedoch regelmäßig und ohne jegliche Einschränkungen das 500-g-Photo-Rag-Papier von Hahnemühle zum Einsatz.
Als geborener Westberliner hatte man immer ein gespaltenes Verhältnis zum Ostteil der Stadt. Es war auch nicht so einfach, von West- nach Ostberlin zu kommen - zugegeben, umgekehrt noch ungleich schwieriger ... Doch es gab einen kleinen Trick, indem man sich als Westberliner einen westdeutschen Reisepass besorgte.


Neben dem blauen Halstuch- Einerlei der FDJ gab es doch bei der Jugend vereinzelte Ausbrüche hinsichtlich Outfit und Auftreten. Auch die
Neben dem blauen Halstuch- Einerlei der FDJ gab es doch bei der Jugend vereinzelte Ausbrüche hinsichtlich Outfit und Auftreten. Auch die "waren das Volk" ...
Eine andere Welt

Ich erinnere mich, dass ich 1988 plötzlich eine Ansichtskarte aus Ungarn bekam, mit der ein Fotograf aus Ostberlin, Vorsitzender eines Fotoclubs, mit mir Kontakt aufnehmen wollte. Er bat mich darum, so zu tun, als ob wir uns schon vor einiger Zeit in Ungarn kennengelernt hätten. Na ja, die Stasi lauerte eben überall ... Dieser Fotograf wohnte in dem Ostberliner Bezirk Prenzlauer Berg. Dort trafen wir uns auch das erste Mal. Mich erinnerte dieses Viertel sofort an den Westberliner Bezirk Kreuzberg, Ende der 70er-Jahre.

Mangelwirtschaft lässt sich wohl kaum eindrucksvoller ausdrücken als durch diese vier Bilder. Der Glasschaden an dem antiken Fenster stammte wahrscheinlich noch aus den letzten Kriegstagen. Wenn ich mich an die 750-Jahr-Feier Berlins im Westteil erinnere, mit Glanz und Gloria, kommen mir die beiden linken Bilder eher wie eine Karikatur vor. Leider war es aber wirklich bitterernst und nach 750 Jahren, zumindest in Ostberlin, fünf vor zwölf!
Schon bei meinem ersten Besuch hatte mich dieser Bereich in Ostberlin sofort fotografisch in seinen Bann gezogen. Insgesamt war ich mindestens dreimal "drüben", um zu fotografieren. Übrigens gab es überhaupt kein Problem, dort auch die Menschen abzubilden. Ich erinnere mich, dass sie sehr zugänglich waren und auch sehr gesprächsbereit - und natürlich neugierig, um etwas über das Leben im "Westen" zu erfahren.

Es gibt auch eine kleine, im Nachhinein belustigende Anekdote. Ich war nämlich auch mal mit einem Freund aus München dort, um ein paar Aufnahmen zu machen. Ohne dass es uns bewusst war, fotografierten wir in einer Straße, die direkt auf die Mauer führte. Es dauerte nicht lange, da waren wir von ostdeutscher Volkspolizei umringt. Die wollten nun wissen, was wir da eigentlich machten. Mein Freund, bundesrepublikanische Verhältnisse gewohnt, zog sofort triumphierend seinen Presseausweis. Das war nun leider ganz verkehrt.

Den gesamten Artikel mit weiteren Bildern finden Sie in der PHOTOGRAPHIE-ePaper-Ausgabe 10/2017.

Manfred Kriegelstein

Der Fotograf und Autor Manfred Kriegelstein, MFIA P, DG Ph, beschäftigt sich seit 1977 mit der Fotografie. Seine Bilder wurden weltweit in bisher rund 100 Einzelausstellungen präsentiert, in Kürze erscheint sein neues Buch "Die Kunst des Sehens" im dPunkt Verlag. Seit über 15 Jahren fertigt Kriegelstein seine Fine-Art-Drucke auf Hahnemühle-Papier an. Auch als Juror in nationalen und internationalen Fotowettbewerben hat er seit über 30 Jahren reichhaltige Erfahrung gesammelt. Seit fast 40 Jahren ist Kriegelstein Mitglied im Deutschen Verband für Fotografie (DVF) und unterstützt hier regelmäßig Mitglieder und Funktionsträger bei ihren Vorhaben rund um die Fotografie. www.manfred-kriegelstein.de

Autor: Manfred Kriegelstein

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