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Unterwegs mit der Olympus XZ-1

Pfiffig, die Kleine


Olympus verspricht, mit der XZ-1 werde die "digitale Kompaktfotografie neu definiert". Grosse Worte über ein hübsch handliches Gerät. Was das Objektiv 1,8-2,5/28-112 mm (Kleinbild) und der 1/1,63 Zoll grosse Chip tatsächlich leisten, klärt unser Praxistest.

Diorama: Der interne Filter simuliert den Effekt eines Tilt-Shift-Objektivs und erhöht die Sättigung. Gerade Bahnhöfe wirken so wie Modelllandschaften.
Diorama: Der interne Filter simuliert den Effekt eines Tilt-Shift-Objektivs und erhöht die Sättigung. Gerade Bahnhöfe wirken so wie Modelllandschaften.
"Oh, die sieht aber schick aus", jubiliert die Büronachbarin, als der Chronist ein weisses Exemplar der Olympus XZ-1 aus dem Karton zieht. Ja, gewiss, bei einer Kompakten für fast 500 Euro sollte es mehr um innere Werte gehen. Doch wie bei den technischen Highlights der XZ-1 spricht der Hersteller auch beim Design von einem "X-Faktor". Dabei wäre "iFaktor" womöglich treffender: Die geradlinige Gestaltung des Gehäuses und die Farbauswahl erinnern an Apples Erfolgskonzept.

Unter dem schwarz oder weiss glänzenden Lack wandelt ein 1/1,63 Zoll grosser Chip all das in Bilder um, was sich vor dem 4-fach-Zoom zeigt.

Der grösste Bildwinkel entspricht einem 28-mm-Objektiv an einer Vollformat-Spiegelreflex; im Tele-Bereich geht es bis zu 112 mm hinaus. Verglichen mit den unmittelbaren Konkurrentinnen (getestet in PHOTOGRAPHIE 3/11) sortiert sich die XZ-1 damit im Mittelfeld ein.

Körniger Film: Diese Option liefert Bilder für Puristen - klassisch, kontrastreich und überaus grobkörnig. Dazu passt das optionale 1:1-Format (6:6) besonders gut.
Körniger Film: Diese Option liefert Bilder für Puristen - klassisch, kontrastreich und überaus grobkörnig. Dazu passt das optionale 1:1-Format (6:6) besonders gut.
Einen Spitzenplatz beansprucht sie hingegen bei der Lichtstärke. Die Anfangsblende von f/1,8 schlägt in diesem Segment niemand, lediglich die Samsung EX1 liegt gleichauf. Zuiko Digital, Olympus' Label für hochwertige SLR-Objektive, steht auch für dieses feine Stück Glas gerade - und die Optik-Erfahrung zahlt sich offensichtlich aus: Die Bildqualität bei offener Blende ist sehr gut, auch wenn die Detailauflösung natürlich nicht an eine Spiegelreflexkamera heranreicht. Die gleichen Abstriche gelten für das Gegenstück in puncto Bildgestaltung, die elegante Unschärfe ausserhalb des Fokus. Denn ein feines Bokeh entsteht wegen des kleinen Sensors lediglich im Ansatz. Einen Menschen in der Porträtfotografie freizustellen fällt eher schwer.

Spielspass mit Art-Filtern

Kreative Unterstützung kann sich der Fotograf von einem der sechs Kunstfilter holen. Sie versehen die Aufnahme per Kamerasoftware mit zusätzlichen Effekten und lassen sich sogar beim HD-Video-Dreh einsetzen. Die Effekthascherei kann man auch nachträglich betreiben - wer auf Nummer sicher geht, speichert also RAW-Daten auf der SD-Karte.

Einige Puristen zetern womöglich, wenn sie auf solche "Kunst per Knopfdruck" stossen. Wahrscheinlich stimmt sie selbst der Filter "Körniger Film" nicht milde, der Schwarzweiss-Fotografie im Stil von Fuji Neopan, Kodak T-MAX & Co. nachahmt. Mögen sie granteln! Denn wer sich auf die "Art-Filter" einlässt, wird mit jeder Menge Spielspass belohnt. Schnell beginnt man, nach knalligen Farben für den Pop-Art-Effekt Ausschau zu halten oder Eisenbahnstrecken fürs Diorama zu suchen. Die vier Bildformate 16:9, 3:2, 4:3 und 6:6 bescheren weitere Variationsmöglichkeiten.

Obwohl die Filter pfiffig programmiert sind, muss der Fotograf kleinere Mängel bei der Bildqualität in Kauf nehmen. Ähnlich wie bei Dateien, die am Rechner ein massives Photoshopping durchlaufen, wird's grobkörnig, die Pixel leiden. Zum Glück spielt Bildrauschen bei hohen Lichtempfindlichkeiten bei der XZ-1 keine grosse Rolle. Zwar zeigt sich schon bei ISO 100 leichtes Helligkeitsrauschen, das kontinuierlich ansteigt. Doch bis ISO 800 lässt sich die Kleine leichthin einsetzen, insbesondere das Farbrauschen bleibt erfreulich gering. In der Summe bestätigen diese Resultate der Olympus den guten Eindruck, den sämtliche Edelkompakten im PHOTOGRAPHIE- Test hinterlassen haben.

Dramatischer Effekt: Der düstere Filter arbeitet Kontraste und Strukturen extrem heraus, nimmt Anleihen bei der HDR-Technik. Damit peppt er Motive wirksam auf.
Dramatischer Effekt: Der düstere Filter arbeitet Kontraste und Strukturen extrem heraus, nimmt Anleihen bei der HDR-Technik. Damit peppt er Motive wirksam auf.
So avanciert das Designerstück zum idealen Begleiter für Nachtschwärmer, schliesslich ist überdies eine lichtstarke Optik an Bord. Ob Party oder Abendempfang spielt fotografisch keine Rolle, doch eines scheint sicher: Dank des erwähnten iFaktors macht die Kamera auf beiden Veranstaltungen eine gute Figur - und dürfte willkommenes Thema für eine Runde Small-Talk sein.

Möchte man den anderen Gästen direkt erste Bilder zeigen, wird's hell am Tisch: Das drei Zoll grosse OLED-Display strahlt gewaltig, die Auflösung ist fein (610.000 Pixel). Es präsentiert sich damit ebenso hochwertig wie das Bedienkonzept, dessen zentralen Angelpunkt ein Drehring rund ums Objektiv bildet.

Fazit

Dass die Büronachbarin mit ihrem Lob fürs Design der XZ-1 Recht hatte, stand ohnehin ausser Frage. Doch bei der Olympus gibt es zur Schönheit auch die Intelligenz dazu - ein Glücksfall. Wer mit Rohdaten arbeitet, kann hervorragende Ergebnisse erzielen. Folglich reiht sich die XZ-1 bei den Highend-Kompakten weit oben ein. Ganz günstig gibt es diese Leistung allerdings nicht.

PLUS / MINUS

+ sehr gute Bildqualität für eine Kompaktkamera (10 Megapixel)
+ grosses, hochauflösendes Display
+ pfiffige Bedienung
+ schickes, taschentaugliches Design
+ elektronischer Sucher und anderes Zubehör aus dem PEN-Sortiment
- wenig Weitwinkel (28 mm)
- relativ hoher Preis (circa 480 Euro)


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Fotostrecke-Download (.zip)

Autor: dro

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