Für unseren Test stellt sich Sonys Festbrennweite den Herausforderungen der journalistischen Praxis: Das 1,4/35 mm hebt ab und geht auf Reportage mit dem Rettungshubschrauber "Rega 7".
Kurze Pause: Notarzt Felix Reichlin hat den Rettungshubschrauber nach dem Einsatz mit frischem Material bestückt. Das spontane Bild mit steiler Perspektive entsteht bei f2 - perfekt für das Sony G 35 mm. Denn schon minimales Abblenden verbessert die Leistung deutlich.
Auch Pressefotografen wissen um die Vorteile fester Brennweiten. Doch im Alltag schwören viele auf ihr 24 - 70 mm. Das Standardzoom bietet die nötige Flexibilität, sobald es "draussen" heiss hergeht, wenn keine Zeit bleibt, das Objektiv zu wechseln. Und wenn im Schweizerischen St. Gallen der Rettungshubschrauber "Rega 7" abhebt, drängt die Zeit immer. Verkehrsunfälle, Stürze im Gebirge, ein Herzinfarkt auf 1.000 m Höhe - binnen zwei Minuten ist die Crew in der Luft.
Grosse Nähe: Das gemässigte Weitwinkelobjektiv lässt den Betrachter tief ins Geschehen eintauchen und gestattet Aufnahmen aus nur 30 cm Entfernung.
Ein Wagnis also, allein auf das Sony G 1,4/35 mm zu bauen, um die Einsatzkräfte zu begleiten. Zugleich ein Chance: Der Bildwinkel von 63 Grad erweist sich als ideal, um Menschen samt Umgebung abzubilden. Wer hier einen engen Ausschnitt wählt, suggeriert dem Betrachter besondere Nähe zum Geschehen.
Dank optischer Qualität und moderatem Weitwinkel spielen Verzeichnungen keine Rolle. Somit eignet sich die G - Optik bestens für authentische Porträts von Notarzt & Co., markant betont durch die weit geöffnete Blende. Nutzt man eine Vollformat- DSLR (hier eine Alpha 900) empfiehlt sich zugunsten von Schärfe und Vignettierung allerdings f2. Wenn nötig, kann man in der dunklen Notaufnahme jedoch auch die grösste Blende einsetzen, ohne ernsthafte Probleme zu bekommen.
Trotz der enormen Lichtstärke hat der Reporter eine bemerkenswert kompakte Linse im Einsatz. Vor Ort wirkt das Sony geradezu diskret; die 1,4/35 mm von Canon und Nikon treten deutlich brachialer auf. Trotzdem schafft ein Pfund solides Metall eine Menge Vertrauen: Man würde dieses G-Objektiv auch auf turbulenten Helikopterflügen jederzeit mit an Bord nehmen.
Fazit
Das Design und die optische Rechnung des 1,4/35 mm G hat Sony von Minolta "geerbt" - in die Jahre gekommen ist es dennoch nicht. Lichtstärke und vernünftige Verarbeitung bleiben eben modern. Ein schmaler Fokusring und kleine qualitative Abstriche bei offener Blende lassen sich gut verschmerzen, wenn man die Stärken als Reportageobjektiv dagegenhält. Harte Mittel aus dem Medikamentenkoffer verlangt erst der Preis: 1.600 Euro führen mit Recht zu akuter Schnappatmung.
Den Kinderschuhen entwachsen und auf dem Weg ins Profilager: Spiegellose Systemkameras erobern den Markt langsam, aber sicher auch oberhalb des Amateurlage ... mehr »