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Li Wei: „Free Degree Over The 29th Story“
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Auch in ihrer 38. Runde bleiben die Rencontres spannend. Das Festival zeigt vor der pittoresken Kulisse des historischen Arles ein buntes Spektrum aus internationaler Kunst- und Dokumentarfotografie. Neben Klassikern wie den Stars der Bildagentur Magnum lassen sich auch faszinierende neue Künstler in den rund 50 Ausstellungen entdecken.
Im Sommer gibt es zwei gute Gründe nach Arles zu reisen: Stierkampf und Fotografie. Auch wenn man sich für die unblutige Option entscheidet, wird man es nicht bereuen. Denn die Franzosen verstehen es, Fotografie zu feiern. Das konnten sie auch in diesem Jahr beim Fotofestival in Arles beweisen. Schon seit 1969 verwandelt sich das Römerstädtchen in der Provence ab Anfang Juli in einen beliebten Treffpunkt der internationalen Fotoszene. Die ganze Stadt spielt dabei mit: Bis Mitte September laufen die vielen Ausstellungen nicht nur in Museen und Galerien, sondern auch in Bars, Restaurants und in stillgelegten Industriehallen. Daneben bieten die zahlreichen Gebäude im historischen Stadtkern wie das „Espace van Gogh“ oder das „Théâtre Antique“ eine grandiose Kulisse für Fotokunst. Die teils von spätrömischen wie mittelalterlichen Stadtmauern umgebene Altstadt ist so ein ergiebiges Pflaster für Kulturspaziergänger– wenn man den rasanten Autoverkehr in den engen Gassen überlebt. Die Rencontres sind nach finanziellen Turbulenzen in der Vergangenheitmit der Hilfe von Sponsoren wieder auf die Erfolgsspur zurückgekehrt, rekordverdächtige 52.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr nach Arles. 2007 setzendie Macher um den Pariser Ex-Magnum-Präsidenten François Hébel auf eine bewährte Mischung aus Reportage und Kunstfotografie. In den Fokus rückten sie Indien und China. Beide Länder verfügen über eine lebendige Fotoszene mit einer Reihe viel versprechender junger Fotografen, die im Westen bisher weit gehend unbekannt sind. Dabei haben Künstler wie die Pekinger Ghao-Brüder (siehe folgende Seite) sicher genügend Potenzial, um auch international erfolgreich zu sein. Besonderes Augenmerk liegt bei den Rencontres auf Fotografen aus dem „Dashanzi Art District“, einem boomenden Künstlerviertel, das 2002 auf einem alten Pekinger Fabrikgelände entstand. Von dort kommen zurzeit die spannendsten Positionen moderner chinesischer Kunst. Die Ausstellungen zur Fotografie aus Indien stehen in Arles vor dem Hintergrund des 60. Jahrestages der indischen Unabhängigkeit. Höhepunkt ist hier sicher die gelungene Retrospektive auf das umfangreiche Werk des Reportagefotografen Raghu Rai.Sehenswert sind auch die seltenen handcolorierten Maharadscha-Porträts aus dem Besitz der New Yorker „Alkazi Collection of Photography“. Dem Anspruch, Fotografie der Vergangenheit und Zukunft zuzeigen, werden die Rencontres auch in ihrem weiteren Programm gerecht. Junge Fotografen wie der Franzose Éric Mutel (siehe vorletzte Seite der Bildstrecke) präsentieren ihre Arbeiten im Rahmen der großen Austellung „Discoveries“. Überraschend klein und in einer der abgelegensten Hallen positioniert ist die Bilderschau zum 60. Jubiläum der legendären Bildagentur Magnum. Man hätte hier sicher mehr erwartet, schließlich haben Magum-Fotografen die Rencontresüber die Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt. Das Fotofestival wird mit rund 50 Ausstellungen noch bis Mitte September das Stadtbild von Arles bestimmen, die zweite Attraktion, der Stierkampf, bleibt aber allgegenwärtig. An manchen Tagen werden die Camargue-Stiere sogar durch die Straßen in die Kampfarena getrieben. Ein archaischer Kontrapunkt zur Kunst. _Sea
Carole Bellaïche (Frankreich) In Frankreich hängt das Porträt des Präsidenten in fast allen öffentlichen Gebäuden – schätzungsweise 100.000 Abzüge werden wie zuletzt nach der Wahl von Nicolas Sarkozy herausgegeben. Das Konterfei des Präsidenten ist damit sicher eine der populärsten Fotografien des Landes. Seit 1848 existiert die Tradition dieses offiziellen Porträts, Louis-Napoléon Bonaparte (Amtszeit: 1848–1851) wurde als erstes Staatsoberhaupt so aufgenommen. Dass es bis heute keine einzige Frau in das höchste Amt der Republik schaffte, schmerzt viele Franzosen. Die Pariser Fotografin Carole Bellaïche entwarf so im Rahmen des Projektes „Madame la Présidente“ ihre Vision einer Mutter der Nation.

Éric Mutel (Frankreich) Der junge Franzose geht in seinen Bildern an die Grenzen des fotografischen Genres und experimentiert „geologisch wie biologisch“ mit seinen Motiven, die aus seiner Videoinstallation „In Cryo Video“ stammen. „Die Fotografie wird in Eis gefroren und dadurch auf bestimmte Weise zerstört und doch konserviert. Sie wird zum organischen Rohmaterial wie eine Haut mit eigener Evolution“, erklärt Éric Mutel sein Konzept.
Ghao Zhen und Ghao Quiang (China) Die Ghao-Brüder Zhen und Quiang zählen zu den bekanntesten Fotokünstlern im Reich der Mitte. Sie arbeiten im Dashanzi Art District, dem spannendsten und produktivsten Künstlerviertel Chinas. In ihren Bildern thematisieren sie den rasanten gesellschaftlichen Wandel und den dramatischen Verfall traditioneller Werte in ihrer Heimat. Ihr Bild „Ruins“, in dem eine vom Himmel fallende Münze das überlebensgroße Porträt von Staatsgründer Mao teilt und schließlich vernichtet, bringt ihre kritische Botschaft schnörkellos auf den Punkt. Mit ihren Bildern verzeichnen die Ghaos zunehmend internationale Erfolge: Inzwischen haben das New Yorker MoMA und das Victoria and Albert Museum (London) Ghao-Werke für ihre Sammlungen zeitgenössischer Kunst erworben.
Weitere Bilder im XXL-Format finden Sie in der Printausgabe von PHOTOGRAPHIE, Heft 9/2007.
Veröffentlicht am: 01. August 2007
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